Das flexible Interview

Schlagzeilen

Hinweis: Themenheft "Dyskalkulie-Therapie" der SZH, 6, 2012. Ebenso der Artikel: Beziehungshaltige Mathematik, SZH, 7-8, 2012

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"Ich bin dein Taschenrechner." FI, Rollenspiel. Förderung. Blog

Update "Das dezimale Stellenwertsystem verstehen und metakognitiv denken"

Neu: Sharing the Video und systemische Pädagogik, Fallstudie

Kreative Forschungsmethode - Dialogische Bildung

Jean Piaget forderte Menschen, die in irgendeinem Bereich kreativ wirken möchten, auf: "...ab und zu ein Kind zu bleiben, mit der Kreativität und der Erfindung, die Kinder charakterisieren, bevor sie von der Erwachsenengesellschaft deformiert werden." (Vortrag an der John Hopkins University, Baltimore, 19.10.1972)

Das flexible Interview besteht aus dem kreativen und kritisch-explorativen Einsatz der Beobachtung, der Befragung (conversation libre), des Experiments und des Tests. Es ist weltweit im Einsatz in der Grundlagenforschung der Kognitionspsychologie, der Entwicklungspsychologie und der Lernforschung (Clement, 2000).

Die nonkonformistische, qualitative Methode wurde von Jean Piaget und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Erforschung der Entwicklung des Erkennens und Verstehens entwickelt. Die Ursprünge reichen zurück bis zur "Hebammenkunst" bei Platon und dem klinischen Interview der Psychiatrie. 1974 bezeichnete Piaget die Methode "méthode d'exploration critique" (vgl. Inhelder, Sinclair & Bovet, 1974, S.35). Die kritische Grundeinstellung der Methode gilt auch für die Bezüge zu den Diskursen der kritischen Erkenntnistheorie (vgl. Burbules, 2005). Damit können Idealisierungen der Dialogik erkannt und überwunden werden.

Die Website bietet Informationen und Übungen an, die sich seit 30 Jahren bewähren. Sie enthält Aufsätze und Essays zur pädagogisch-psychologischen Arbeit, insbesondere zur Erforschung und Förderung des logisch-mathematischen Denkens. Sie lädt zu systemischen Perspektivenwechseln in der Psychologie und der Pädagogik ein.

Was leistet die Methode in der Pädagogik? - Mit der Betonung der kritischen Exploration öffnet das flexible Interview (FI) den Unterricht für alle. Es unterstützt die Prozess- und die Handlungsorientierung beim Aufbau von Wissen, von Methodenkompetenzen und der Bildung des Denkens. Es befähigt die Lehrpersonen, die Welterfahrung und die Denkwege der Kinder zu explorieren und in den Unterricht zu integrieren. Die kritische Exploration macht neue Dimensionen der sozialen Beziehungen und der Rollen verständlich. Die Methode hat sich auch in online-Sessions sehr gut bewährt (vgl. Salmons, 2016).

Das FI fördert das Verstehen und relativiert den Stoffdruck (didaktische Reduktion). Die Professionals orientieren sich mit einem Gedanken von Piaget: "Die Intelligenz ist nicht das, was man weiss, sondern das, was man tut, wenn man nicht weiss."

Die Methode erweist sich bei schweren Lern-, Verhaltens- und Befindlichkeitsstörungen als Türöffner und Starthilfe für kreative Projekte und Förderprogramme. Sie erforscht Erfahrungen - nicht bloss Wissen oder Kompetenzen (vgl. Laing, 1969; Teachman et al., 2018). Wirkungsstudien belegen die Erfolge seit mehreren Jahrzenten, so auch beim Konzept der 'cognitive acceleration'. Dieser Ansatz integriert Piaget und Wygotski: pädagogisches Experiment, reflektierende Abstraktion, Ko-Konstruktion, Entwicklung durch Denkschulung.

Entwicklungsprojekte und Aktionsforschungen sowie Kollaborationen trugen und tragen zur Pädagogisierung der Methode der kritischen Exploration bei. Dabei wurde die genetische Erkenntnistheorie verändert, nämlich zur genetischen Erkenntnistheorie der systemischen, integrativen Pädagogik mit den Indikatoren der Entwicklung von Autonomie, Sozialisation und Kompetenz. Das Methodenkonzept von Cuomo (2007) und die Handmetapher zu den Dimensionen des Unterrichtens (vgl. "Teil II: Beziehungshaltige Mathematik", Meyer, 2012).

Ich danke Gianfranco Arrigo, Nicola Cuomo, Jean-Jacques Ducret, Herbert P. Ginsburg, Alexander Grob, Priska Hagmann, Alice Imola, Constance Kamii, Michel Perraudeau, Anne-Nelly Perret-Clermont, Leslie Smith, Stuart Twiss, Erich Ch. Wittmann, Gerald Wittmann sowie den Schulischen Heilpädagoginnen und den Schulpsychologen für die Anregungen und die Unterstützung. Möge die Zusammenarbeit dazu beitragen, dass das flexible Interview als Kulturgut Psychologie und Pädagogik bereichert. Ebenso danke ich der Fondation Jean Piaget für die Fotografien.

Die Website als Reader

 

Die Website als Reader (69 S.), erweitert und überarbeitet, 2020

Stefan Meyer, Dozent HfH

16.07.2020

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